Ausbildungsmarkt in Hessen: Wirtschaftliche Schwäche hinterlässt Spuren

Eine aktuelle Studie zeichnet die jüngsten Entwicklungen nach, beleuchtet längerfristige strukturelle Veränderungen und zeigt Perspektiven für die Fachkräftesicherung im Land auf.

Die derzeitige wirtschaftliche Schwäche in Deutschland wirkt sich auch auf die duale Berufsausbildung in Berufsschulen und Betrieben aus: Zwischen Oktober 2024 und September 2025 wurden in Hessen insgesamt 34.200 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 1,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bundesweit fiel der Rückgang mit 2,1 Prozent etwas stärker aus.

Die Abnahme der Neuvertragsanzahl vollzog sich im Bund wie in Hessen vor allem in Industrie und Handel (-5 Prozent). Berufsspezifisch erfolgte der Rückgang u.a. wieder bei kaufmännischen Berufen wie Industriekaufmann/frau, Kaufmann/frau für Groß- und Außenhandelsmanagement, Automobilkaufmann/frau und Kaufmann/frau im Einzelhandel. Besonders starke Abnahmen von mehr als 10 Prozent verzeichneten zudem MINT-Berufe wie Fachinformatiker/in, Industriemechaniker/in und Mechatroniker/in, aber auch Hotelfachmann/frau. Ebenso sank die Neuvertragsanzahl in dem stark nachgefragten Ausbildungsberuf Kaufmann/frau für Büromanagement. Dies führte dazu, dass der Beruf in der hessischen Rangliste der Ausbildungsberufe mit den meisten Neuabschlüssen auf Platz 2 zurückfiel. Den Spitzenplatz übernahm der Beruf Kraftfahrzeugmechatroniker/in. Eine Steigerung der Neuvertragsanzahl im Vorjahresvergleich ist hingegen vor allem bei den Berufen Verkäufer/in, Medizinische/r Fachangestellte/r und Dachdecker/in zu verzeichnen. In der Gesamtbetrachtung blieb die Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge bundes- wie hessenweit erneut deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Gegenüber dem Jahr 2019 lag die Anzahl der Neuverträge im Jahr in Hessen um 11 Prozent niedriger, auf Bundesebene um 9 Prozent.

Der so genannte Übergangsbereich an beruflichen Schulen zielt darauf ab, junge Menschen auf die Aufnahme einer Ausbildung vorzubereiten und ihre Ausbildungsreife bzw. berufliche Orientierung zu stärken. Die Anzahl der Personen in diesem Übergangsbereich ging nach vorläufigen Ergebnissen des Hessischen Statistischen Landesamts im Vorjahresvergleich um 4 Prozent auf 13.800 zurück. Somit schrumpfte der Übergangsbereich erneut – eine Entwicklung, die sich parallel zur derzeit rückläufigen Zuwanderung durch Geflüchtete vollzieht. Geflüchtete nutzen im Übergangsbereich z. B. das Programm „Integration und Abschluss (InteA)“, das Sprachförderung mit schulischer und beruflicher Orientierung verbindet. Im Berichtsjahr begannen noch rund 1.600 Personen eine solche InteA-Maßnahme, darunter Personen aus Afghanistan und der Ukraine. Gegenüber dem Höchststand im Schuljahr 2016/2017, als vor allem Schutzsuchende aus Syrien, Afghanistan und Irak am Programm teilnahmen, hat die Anzahl der Anfängerinnen und Anfänger um 4.700 Personen bzw. 75 Prozent abgenommen. Die erfolgreiche Integration zugewanderter Personen in den hessischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt kommt u.a. im gestiegenen Anteil ausländischer Auszubildender an allen Auszubildenden zum Ausdruck. Dieser nahm seit 2015 von 9 Prozent auf nun 16 Prozent zu.

Mit Blick auf die kommenden Jahre bietet die derzeit relativ hohe Anzahl an Schulabgängerinnen und Schulabgängern grundsätzlich Chancen, die Anzahl an Neuverträgen in der dualen Berufsausbildung und somit an Fachkräften zu steigern. Im Jahr 2025 verfügten zudem rund 19 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Hessen über keinen beruflichen Bildungsabschluss und befanden sich weder in schulischer noch in beruflicher Ausbildung. Hier bestehen somit weitere wichtige Potenziale für die Fachkräftesicherung. Gleichzeitig stellen jedoch sowohl die wirtschaftliche Entwicklung als auch die sinkende Ausbildungsbeteiligung kleiner Betriebe sowie die passgenaue Vermittlung weiterhin Herausforderungen dar.

Die Hessen Agentur erstellt die Studie „Berufsausbildung in Hessen 2026“ jährlich im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums.

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