Gutes Rad ist nicht teuer

Interview mit dem Maintaler Klimaschutzmanager Fabian Wagenbach zum Thema Förderungen für Fahrradreparaturen

Es gibt Fördergelder für neue Heizungen, wenn man sein Dach saniert oder neue Fenster einbauen lässt. In Maintal gibt es eine Förderung, die ungewöhnlich ist – nämlich für Fahrradreparaturen. Darüber unterhielten wir uns mit dem Maintaler Klimaschutzmanager Fabian Wagenbach.

Fahren Sie selbst viel Fahrrad in Ihrer Freizeit?

Fabian Wagenbach: Durchaus. Ich besitze zwei unterschiedliche Elektrofahrräder. Allerdings muss ich mich ein bisschen überwinden bei schlechtem Wetter. Bei schönem Wetter fahre ich sehr gerne, leider in letzter Zeit seltener, was meinem langen Weg zur Arbeit geschuldet ist.

Sind Sie über Ihr Hobby auf die Idee gekommen, Reparaturen von Fahrrädern mit 75 Euro zu fördern? War das Ihre Idee?

Fabian Wagenbach: Ursprünglich hatte die Idee meine Kollegin Silke Schneider. Sie betreut mit mir die Klimaschutzförderrichtline in Maintal. Wir hatten uns überlegt, was es für Fördermöglichkeiten gibt, die ein bisschen über den Tellerrand hinausgehen, die gleichzeitig niederschwellig sind und für alle offenstehen – und fast jeder hat ein Fahrrad. Ansonsten richten sich andere Förderprogramme eher zu großen Teilen an Hauseigentümer.

Wollen Sie auch auf andere Förderprogramme aufmerksam machen, indem Sie Fahrradreparaturen anbieten?

Fabian Wagenbach: Erst einmal geht es um die Sache: Wir wollen erreichen, dass Menschen im Bereich der Nahmobilität darüber nachdenken, anstatt mit dem Auto zu fahren auf das Fahrrad umzusteigen, das vom Fahrradhändler überprüft worden ist. Der grundsätzliche Gedanke dieses Förderprogramms ist, einen zusätzlichen Anreiz zu schaffen für Menschen, die sich über den Zustand ihres Fahrrads unsicher sind und wahrscheinlich länger kein Fahrrad gefahren sind, einfach mal zum Händler zu gehen und es überprüfen zu lassen. Es geht nicht darum, per se eine Reparatur zu fördern – die Inspektion steht im Vordergrund. Wenn dort Reparaturen als notwendig erachtet werden, gibt es eine solche anteilig dazu.

Ein bisschen ist es aber sicherlich auch als Lockangebot für andere Fördermaßnahmen zu verstehen?

Fabian Wagenbach: Klar. Zusätzlich wollen wir erreichen, dass von unserer Förderrichtlinie Kenntnis genommen wird und man sich überlegt, ob man sich noch einen Energieberater der Verbraucherzentrale mit ins Haus holt, weil das auch eine kostenlose Leistung ist. Dabei übernimmt die Stadt Maintal nämlich auch den Eigenanteil. Als zusätzlichen Bonus erhalte ich außerdem ein Energiesparpaket, in dem zum Beispiel LED-Lampen und ein Strommessgerät enthalten sind.

Wie viele Menschen haben das Förderprogramm für Fahrräder eigentlich schon angenommen?

Fabian Wagenbach: Etwa 70 Menschen haben das Angebot angenommen seit Oktober 2018.

Kennen Sie das auch aus anderen Städten, oder ist das etwas, was es nur bei Ihnen in Maintal gibt?

Fabian Wagenbach: Laut unseren Recherchen gibt es das nur bei uns.

In Maintal gibt es außerdem ein jährliches „Stadtradeln“. Ist das eine weitere Säule, um zu fördern, dass die Menschen mehr mit dem Fahrrad fahren?

Fabian Wagenbach: Wir nehmen seit vielen Jahren am „Stadtradeln“ teil, was für Kommunen ein sehr praktisches Instrument ist, um Werbung für den Radverkehr zu machen.

Wieviel Kilometer haben Sie da persönlich mitgestrampelt?

Fabian Wagenbach: Ich habe dieses Jahr 170 Kilometer in dem Aktionszeitraum von drei Wochen erradelt.

Und was war eigentlich das Letzte, das bei Ihren Fahrrädern kaputt gegangen ist?

Fabian Wagenbach: Das war ein platter Reifen.

Also nichts Großes, Sie hätten die 75 Euro nicht in Anspruch nehmen müssen?

Fabian Wagenbach: Mit Reifenwechseln tue ich mich schwer, das lasse ich doch lieber vom Fahrradhändler machen, auch wenn es eigentlich etwas ist, was man selbst reparieren könnte. Ich hätte die 75 Euro wohl genutzt, wenn ich Maintaler Bürger wäre.

Sie sind nicht aus Maintal?

Fabian Wagenbach: Ich habe eine tägliche Pendelstrecke von knapp 85 Kilometern.

Und die legen Sie auch nicht mit dem Fahrrad zurück?

Fabian Wagenbach: Nein [lacht].

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Dies ist nur ein Beispiel, was hessische Kommunen für den Klimaschutz auf die Beine stellen. Die LandesEnergieAgentur Hessen unterstützt und berät die Klimaschutzmanager dabei. Außerdem berät die Fachstelle der Klima-Kommunen zu Maßnahmen im Klimaschutz, welche die Kommunen umsetzen können.

Sie wohnen nicht in Maintal, aber möchten sich über mögliche Förderungen informieren? Die LandesEnergieAgentur Hessen hilft: https://lea.foerdermittelauskunft.de

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Die LandesEnergieAgentur Hessen GmbH i.G. (LEA) in Wiesbaden ist eine hundertprozentige Tochter des Landes Hessen. Seit 2017 übernimmt die LEA im Auftrag der Hessischen Landesregierung zentrale Aufgaben bei der Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten richtet sich an hessische Kommunen, die Unterstützung bei Strategien und Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Ausbau erneuerbarer Energien erhalten können. Die LEA versteht sich auch als Informationsplattform und macht Informationsangebote für Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen und Organisationen in Hessen.