Stadtteilentwicklung: Bedeutungszuwachs von Online-Beteiligungsprozessen

Passend zum Thema fand der erste programmübergreifende Erfahrungsaustausch der Förderprogramme Wachstum und Nachhaltige Erneuerung, Lebendige Zentren und Sozialer Zusammenhalt mit rund 130 Teilnehmern digital statt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Möglichkeiten und Grenzen von Online-Beteiligungsverfahren in der Stadtteilentwicklung“ stand insbesondere der Bedeutungszuwachs von Online-Beteiligungsprozessen sowie die Erreichbarkeit der Bewohner und Bewohnerinnen und deren Ansprache, die durch die Corona-Pandemie noch gezielter erfolgen muss. Nachhaltige Lösungen und Konzepte werden benötigt, um Verzögerungen in den jeweiligen Planungsverfahren entgegenzuwirken und aktive Beteiligungsprozesse in der Pandemie sicherzustellen.

Nach einem kurzen Stimmungsbild im Plenum zu den bisherigen Erfahrungen mit Online-Beteiligung führte Frau Dr. Thissen, wissenschaftliche Mitarbeiterin der RWTH Aachen und Inhaberin des Planungsbüros Urbane Transformation, in die Thematik aus wissenschaftlicher und praktischer Sicht ein. Ihre Kernbotschaft lautete, dass digitale Beteiligung einen ergänzenden Baustein darstelle und mit analogen Beteiligungen kombiniert werden sollte, denn die persönliche Begegnung und das gute „Alltagsgespräch“ seien digital nicht zu ersetzen.

Bei der sich anschließenden intensiven Diskussion, inwieweit Online-Beteiligungsprozesse eine Chance für alle Nutzer-Gruppen sind, kristallisierte sich als zentraler neuralgischer Punkt heraus, dass nicht alle Zielgruppen gleichermaßen durch eine Online-Beteiligung zu erreichen sind. Zum einen gilt es, bei der Vorbereitung auf möglichst niedrigschwellige Angebote zu achten, um nicht von vornherein wichtige Zielgruppen auszuschließen. Zum andern ist es wichtig, die Ergebnisse aller angewandten Formate zusammenzuführen und zu ergänzen.

Ein Vortrag von Herrn Bonzel und Herrn König (Stadt Fulda) beschäftigte sich mit „Neue Wege in der (Online)-Beteiligung – Ein programmübergreifender Erfahrungsbericht der Stadt Fulda“. Mit vielfältigem Bildmaterial konnte eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden, dass auch unter Corona- Bedingungen eine intensive Beteiligung von Jugendlichen sowohl in analoger als auch digitaler Weise möglich ist.

Abschließend tauschten sich die Teilnehmenden in vier Kleingruppenräumen zu verschiedenen Themen aus:

  1. Partizipation unter erschwerten Bedingungen – Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Zeiten der Corona-Pandemie
    In Raum 1 wurde über die Möglichkeiten, aber auch Grenzen und Risiken der Online-Beteiligung von Jugendlichen aus benachteiligten Quartieren diskutiert. Zentrales Thema war hier die dauerhafte Aktivierung von Jugendlichen im Beteiligungsprozess. Hierbei spielen insbesondere die Motivation und der Vertrauensgewinn zu den Jugendlichen eine wesentliche Rolle.

  1. Analog oder digital? Die Mischung macht’s!
    In Raum 2 erörterten die Teilnehmenden am Beispiel der Stadt Kassel, inwieweit durch die geschickte Kombination analoger und digitaler Formate die Beteiligungsprozesse im Allgemeinen profitieren können. Die beiden Formate sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Beteiligungsprozess anzuwenden. So kann z. B. bei der Ideenfindung von Projekten zu Beginn des Beteiligungsprozesses ein Online-Beteiligungsformat bevorzugt werden. Auch die Vor- und Nachteile synchroner und asynchroner Formate kamen zur Sprache.

  1. Analoge Beteiligung und Corona-Pandemie: Wie funktioniert analoge Beteiligung kontaktarm?
    Am Beispiel der Stadt Butzbach wurde in Raum 3 gezeigt, wie innovative Formate eine analoge Beteiligung ermöglichen. Für die Erstellung des ISEKs kam hier ein „Infotainment“-Programm zum Einsatz. Dessen Verknüpfung mit weiteren Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Wochenmarkt ermöglichte eine umfangreiche Beteiligung der Bürgerschaft. Einigkeit herrschte darüber, dass analoge Beteiligungsformate ihre hohe Bedeutung behalten. Entscheidend für ihre Anwendung sind der Zeitpunkt der Beteiligung im Prozess, der Kontext und die Heterogenität der zu beteiligenden Personen unter Berücksichtigung der sozialen Barrieren.

  1. „Marburg macht mit“ – Inklusive Beteiligung durch die städtische Beteiligungsplattform
    Raum 4 fokussierte beispielhaft an der Stadt Marburg die Möglichkeiten einer dauerhaften Sicherstellung durch Beteiligungsplattformen. Es konnte festgestellt werden, dass eine solche Plattform nur dann gelingen kann, wenn der Beteiligungsprozess konstant über einen längeren Zeitraum angeboten wird. Die Stadt Marburg benutzt die Beteiligungsplattform als zusätzlichen Baustein im Verstetigungsprozess, da in der Vergangenheit bereits andere Mittel und Wege ergriffen wurden, um den Bürger:innen den Zugang zu Beteiligungsprozessen zu öffnen.

Der Erfahrungsaustausch fand am 17. Mai statt und wurde vom Zentrum Nachhaltige Stadtentwicklung in Hessen und der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte in Hessen e.V. (LAG) organisiert.

Weitere Informationen: www.nachhaltige-stadtentwicklung.hessen.de