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Wasserstoff ist als Energiespeicher unverzichtbar [H2BZ-Hessen]

Workshop „Grüner Wasserstoff aus Windkraft – aktueller Stand, Perspektiven und Herausforderungen“



Wiesbaden/Heppenheim, 02. Oktober 2019 - Die Vergütungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) enden für die ersten Windenergieanlagen (WEA) mit mehr als 20 Betriebsjahren ab dem 1. Januar 2021. Daher beschäftigen sich viele Betreiber sogenannter Ü20-Anlagen mit der Frage, wie die Zukunft dieser Anlagen aussehen könnte. Sollen die WEA stillgelegt werden, ist ein Repowering sinnvoll oder gibt es angepasste Geschäftsmodelle, die einen wirtschaftlichen Weiterbetrieb der Anlagen ermöglichen? Welche Rolle die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff aus Windstrom bei der Entwicklung neuer, regionaler Wertschöpfungsketten spielen kann, diskutierten am 26. September 2019 rund 60 Vertreter der Energiewirtschaft und der Wasserstoff- und Brennstoffzellenbranche während eines Workshops in Heppenheim. Gastgeber der Veranstaltung war die ESM Energie- und Schwingungstechnik GmbH, Weltmarktführer im Bereich Schwingungstechnik für Windenergieanlagen aus Hessen.

 

Eingeladen zum Workshop „Grüner Wasserstoff aus Windkraft – aktueller Stand, Perspektiven und Herausforderungen“ hatten die Hessische LandesEnergieAgentur (LEA), die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen e.V. (H2BZ-Initiative Hessen), der Landesverband Hessen des Bundesverbands WindEnergie e.V. (BWE) und das Landesnetzwerk BürgerEnergieGenossenschaften Hessen e.V. (LaNEG). Florian Voigt vom Bürgerforum Energieland Hessen bei der LEA moderierte die Fachveranstaltung. Vertreter der Stadtwerke und Energiegenossenschaften als Betreiber von Windparks, Projektierer und Dienstleister sowie kommunale und gewerbliche Anwender und Investoren diskutierten während des Workshops die Potenziale der Wasserstofferzeugung mittels Elektrolyse aus Windstrom unter technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Gesichtspunkten.


Wasserstoff als Energiespeicher unverzichtbar
Dr. Karsten McGovern, Leiter der Hessischen LandesEnergieAgentur (LEA), betont: „Oftmals wird beklagt, dass erneuerbare Energien, wie Windenergie, nicht speicherfähig sind. Indem überschüssige Windenergie per Elektrolyse in „grünen“ Wasserstoff umgewandelt wird, ist genau dieser Speicher vorhanden und kann im Wasserstoff-Bus oder künftig ebenfalls im Wasserstoff-Zug verwendet werden. Das sorgt auch dafür, dass Windenergieanlagen nicht abgeschaltet werden müssen, da mal wieder zu viel Energie im Stromnetz ist.“


Erfolgsfaktor Bürgerbeteiligung
Jürgen Staab, seit Juli 2019 Vorsitzender des Landesnetzwerks der Bürger-Energiegenossenschaften in Hessen e.V. (LaNEG Hessen), wies auf die Rolle der Energiegenossenschaften für den Ausbau der Windenergie hin: „Die LaNEG Hessen trägt mit ihren 31 Mitgliedsunternehmen aktiv zum Gelingen der Energiewende bei. Getreu dem Motto ‚Wertschöpfung durch Wertschätzung‘ sind wir überzeugt, dass für den Ausbau der erneuerbaren Energien die Einbindung der Bevölkerung ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist. Und eine Beteiligung der Bürger an den Investitionen ist immer ein Faktor regionaler Wertschöpfung. Ich freue mich daher, dass so viele der Einladung gefolgt sind und mit uns diskutieren möchten, ob und wie die Produktion von grünem Wasserstoff dazu beitragen kann, Windenergieanlagen auch nach dem Auslaufen der EEG-Förderung wirtschaftlich weiter zu betreiben.“


Höhere Akzeptanz durch Wasserstoff-Anwendungen
Wolfgang Kühn, Vorsitzender des Regionalverbands Hessen Süd des BWE und Vorstandsmitglied der H2BZ-Initiative Hessen, erläuterte, dass jenseits aller wirtschaftlichen Erwägungen Wasserstoff-Anwendungen auch dazu beitragen können, eine höhere Zustimmungsrate für den Bau und Betrieb von Windkraftanlagen zu generieren: „Wasserstoff kann eine wunderbare Brücke sein, um die Akzeptanz der Windenergie in der Bevölkerung zu erhöhen. Zum Beispiel, indem wir zeigen, wie unsere Kinder in Zukunft völlig ohne CO2-Emissionen zur Schule gelangen – mit Brennstoffzellen-Bussen, die mit grünem, aus Windstrom erzeugten, Wasserstoff fahren.“


Neue Geschäftsmodelle durch grünen Wasserstoff?
Ob und in welchem Umfang die Produktion von grünem Wasserstoff aus Windstrom unter heutigen Bedingungen wirtschaftlich betrieben werden kann, wurde auf der Veranstaltung ebenso lebhaft wie kontrovers diskutiert. Calum McConnell, Geschäftsführer der ITM Power GmbH, vertrat als Hersteller von PEM-Elektrolyseuren die Ansicht, dass unter den aktuellen wirtschaftlichen und regulatorischen Bedingungen die zu erwartenden Einnahmen nicht ausreichen, um die Investitionen in eine kleine Elektrolyseanlage an einem einzigen Windrad mit nur noch geringer zu erwartender Restlaufzeit finanziell zu rechtfertigen. Matthias Werner von der Hochschule RheinMain betonte allerdings, dass der Energiepark Mainz eine „schwarze Null“ schreibe. Der Wasserstoff werde dort per Elektrolyse mit dem Strom aus vier benachbarten Windkraftanlagen erzeugt. Für den Erfolg des Energieparks spreche, dass dieser durch die Mainzer Stadtwerke auch nach Ablauf der dreijährigen Förderphase weiterbetrieben werde.


Windkraftpionier der ersten Stunde stellt Contracting-Modell vor
Jürgen Fuhrländer, Urgestein der Windkraftbranche und heutiger Inhaber und Geschäftsführer der GFW Gesellschaft für Windenergieanlagen GmbH & Co. KG, stellte sein Konzept für die Erzeugung von grünem Wasserstoff mittels eines modularen Elektrolyseurs vor („SIDE-H“). Dieser soll dezentral direkt an den WEA eingesetzt werden. GFW möchte seinen Kunden anbieten, für ein festes Entgelt deren Post-EEG-Anlagen weiterzubetreiben sowie Wartung und Instandhaltung zu übernehmen. Die Erlöse für den bisherigen Anlagenbetreiber seien zwar vergleichsweise gering, dafür aber nicht mit Betriebs- bzw. Ausfallrisiken für die über 20 Jahre alten Anlagen behaftet. Mit dem Windstrom wolle GFW grünen Wasserstoff erzeugen, der vor allem im Mobilitätssektor vermarktet werden soll.


Grüner Wasserstoff als Bindeglied der Sektorenkopplung
Anup Ray Panta von der EMCEL GmbH beleuchtete abschließend die Rolle von Wasserstoff und Power to Gas als Schlüssel zur Sektorenkopplung, ohne die die Energiewende nicht gelingen könne. Panta wies darauf hin, dass Power to Gas nicht nur die fluktuierenden erneuerbaren Energien speichern könne, sondern auch vielfältige, wirtschaftlich interessante Nutzungspfade eröffne. Am profitabelsten sei die Vermarktung des grünen Wasserstoffs in den Bereichen Mobilität und Industrie.


Ausblick
Auch wenn über die Wege zum Ziel intensiv diskutiert wurde, stimmten die meisten Teilnehmer darin überein, dass der mittels Windstrom erzeugte grüne Wasserstoff dazu beitragen könne, regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen. Moderator Florian Voigt wies in seiner Zusammenfassung am Ende des Workshops darauf hin, dass die technischen Voraussetzungen für die Produktion von grünem Wasserstoff gegeben seien. Nun müsse die Politik durch weitere Anpassung der Regularien dafür sorgen, dass sich funktionierende Geschäftsmodelle entwickeln können. Welches Potenzial der Wasserstoff zum Beispiel als Kraftstoff im Güterverkehr hat, wird das Brennstoffzellenforum Hessen 2019 des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen zeigen. Die Veranstaltung mit dem Titel „Schwere Nutz- und Transportfahrzeuge mit Brennstoffzelle“ findet am 24. Oktober 2019 in Stockstadt/Rhein statt.